Traditionsbücherei ist umgezogen
Freudenberg    An der Hauptschule wird gern gelesen

    Wissen wiegt schwer. Davon können Chiara Quitadamo, Lisa Rosenkranz und Dominik Kraft ein Lied singen: Die drei Achtklässler stehen stellvertretend für jene Schüler, die mitgeholfen haben, die Bücherei der Hauptschule Freudenberg umzusiedeln, vom Erdgeschoss nach oben, dorthin, wo früher das Fotolabor mit Dunkelkammer untergebracht war.

    Bei Gertrud Schmidt hatte die Nachricht vom Umzug der Bücherei zunächst keine Begeisterungsstürme ausgelöst - gekachelt bis auf 1,50 Meter, erinnerte der Raum zunächst eher an ein zu düster geratenes „Schwimmbad" und konnte mit dem langjährigen, gemütlichen Domizil der Bücherei so gar nicht mithalten.

   Doch die Fachlehrerin packte es an und schuf gemeinsam mit Hausmeister Bernhard Nöll, dem Förderverein der Schule, der Schülervertretung und ihren Schülern in wochenlanger Arbeit eine Bücherei, die sich sehen lassen kann. „Sehr, sehr dankbar" ist Schulleiter Helmut Kaufmann deshalb auch für diese Kollegin, die die Bücherei „professionell und mit großer Sorgfalt führt." Und dies seit 1974. Ungefähr zu dieser Zeit hatte der damalige Schulleiter Herbert Müller den

 Grundstein für die Schülerbücherei gelegt, die deshalb heute eine der traditionsreichsten im Kreisgebiet ist.

    Dass zu deren offiziellen Wiedereröffnung die Presse geladen wurde, zeigt, welchen Stellenwert das Lesen an der Hauptschule Freudenberg genießt: „Mindestens so wertvoll wie ein Computerfachraum" sei die Bücherei, so Kaufmann weiter, denn die Kinder, die nach der Klasse 4 an die Hauptschule kommen, hätten „eindeutig Defizite" in Sachen Lesen. Erfahrungsgemäß sind es vor allem die Klassen 5 und 6, die das zweimal pro Woche bestehende Angebot annehmen, Bücher auszuleihen.

    Aus gut 2600 Titeln können die Schüler -18 Klassen insgesamt - auswählen, jene nicht mitgezählt, die im Zuge des Umzugs ausrangiert wurden und nun auf Flohmärkten oder am Elternsprechtag verkauft werden sollen.

 

 

Zum Einzug Geschenke: Helma Irle, Vorsitzende des Fördervereins, überreicht ein Bücherpaket an Lehrerin und „Bibliothekarin" Gertrud Schmidt. Chiara Quitadamo, Dominik Kraft und Lisa Rosenkranz (v. I.) aus der 8c haben beim Umzug fleißig mitgeholfen. Foto: nik (Siegener Zeitung) weitere Bilder folgen

 
    Von Science-Fiction- und Sachbüchern über Jungen-Bücher und Mädchen-Bücher bis hin zu den Klassikern der Jugendliteratur ist alles dabei, tummelt sich Harry Potter in den neuen Regalen neben den Wilden Kerlen, den Wilden Hühnern und Winnetou. Im Jahr 1988 kam die Hauptschule Freudenberg zur damaligen Hauptschule Büschergrund, 1992 kam noch die Hauptschule Niederndorf dazu, und jedes Mal waren auch Bücher in den Umzugskisten. Deswegen ist heute noch so manches „Schätzchen" in den Regalen zu finden. Jedes Jahr werden außerdem neue Bücher angeschafft. Die Ausleihe wird übrigens komplett ohne Technik abgewickelt, die Namen orientiert am „Modell Müller" auf Karteikarten notiert:
 

   Zwar können natürlich sowohl Lehrerin Schmidt als auch ihre Schüler mit dem Computer umgehen, aber so ist es irgendwie doch schöner.

   Der Förderverein der Hauptschule hat mit rund 400 Euro geholfen dafür zu sorgen, Gertrud Schmidts großes Anliegen wahr werden zu lassen und es den Kindern „heimelig" zu machen. Schließlich wird der Raum nicht nur zur Ausleihe benutzt, sondern auch für den jährlichen, im November wieder beginnenden Vorlese­wettbewerb, für Elterngespräche und den Welttag des Buches. Bücherlos bleibt der alte Raum übrigens nicht: Hier ist jetzt das Schulbuchlager untergebracht.