Betriebserkundungstag der HSF

Fachkonferenz  Arbeitslehre Wirtschaft

Kennenlernen von Berufen durch Betriebserkundungen in Form eines Betriebserkundungstages zur Förderung der Berufswahl-Kompetenz

Vorstellung einer Maßnahme im Fach Arbeitslehre/Wirtschaftslehre

1. Richtlinienbezug und Begriffserklärungen

"Die Hauptschule bereitet ihre Schülerinnen und Schüler durch die Vermittlung grundlegender Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten in allen Fächern und Lernbereichen auf die Berufs- und Arbeitswelt vor, insbesondere im Bereich der Arbeitslehre; sie unterstützt diesen Prozess durch die Förderung von Interessen, Fähigkeiten und Begabungen sowie durch das Aufarbeiten von Inhalten und Erfahrungen aus der Arbeitswelt" (RL Wirtschaft, Lernbereich AL 5/89, S. 12)

Ausgehend von dieser Forderung bietet es sich geradezu an, mit den Schülerinnen und Schülern den Lernort Schule zu verlassen und sie dem Bereich zuzuführen, der nach der Schulzeit ihr weiteres Leben bestimmen wird, dem "Betrieb". Dieses geschieht in Betriebsbesichtigungen und Betriebserkundungen, in der Regel im Klassenverband.

 

Die Betriebsbesichtigung ist üblicherweise eine Veranstaltung, bei der das Unternehmen Inhalte und Umfang des Besuchsprogramms festlegt und dabei nicht selten das Ziel der Selbstdarstellung verfolgt. Insofern ist eine Betriebsbesichtigung des öfteren wenig geeignet, Unterrichtsvorhaben zu unterstützen, die eine Stärkung der Handlungskompetenz bei Schülern zum Ziel haben. Weil das Unterrichtsvorhaben "Berufswahl-Vorbereitung" aber in hohem Maße auf diese Qualifikation bei Schülern hinzielt, sollte an die Stelle der Betriebsbesichtigung die Betriebserkundung treten.

"Die Erkundung ist eine Arbeitsform, in der die Schülerinnen und Schüler unter gezielten Fragestellungen außerhalb der Schule recherchieren, Informationen sammeln und diese so aufarbeiten, dass sie für eine weitere unterrichtliche Verarbeitung herangezogen werden können." (RL Wirtschaft, Lernbereich AL 5/89, S.21) Folglich ist die Betriebserkundung ein Unterrichtsprojekt in drei Phasen:

 

2. Zur Idee des "Betriebserkundungstages"

3. Das Konzept im Einzelnen (Überblick)

Allgemeine Überlegungen in Thesenform (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

4. Organisatorische Vorbereitungen im Vorfeld

4.1 Schülerbefragung 

Zunächst gilt es, in allen Klassen des 8. Schuljahres die Schülerwünsche per Wunschzettel zu erfassen. In einer anschließenden Auswertungsphase sollte nach Möglichkeit der Erstwunsch realisiert werden. Ist dies nicht möglich, empfiehlt sich zunächst eine Rücksprache mit dem Schüler in Bezug auf den geäußerten Zweitwunsch bzw. andere Möglichkeiten.

Der hohe Zeitaufwand dieses Vorgehens ist durch die Erkenntnis gerechtfertigt, dass ein solcher Betriebserkundungstag für den Teilnehmer nur dann ein

persönliches Erfolgserlebnis darstellen kann, wenn man sich der Firma bzw. Branche öffnet. Sperrt sich ein/e Schüler/in total gegen das Vorhaben, wird er/sie nicht beteiligt und stattdessen in einer anderen Klasse beschäftigt. Dies entspricht dem Angebots-Charakter des Vorhabens. Am Ende dieses gesamten Verfahrens stehen Listen, in denen die Schüler der einzelnen Klassen den zur Verfügung stehenden Betrieben zugeordnet sind.



4.2 Einbindung von Schulleitung und Kollegium

Bereits zu Schuljahresbeginn wird das Kollegium von der Planung in Kenntnis gesetzt. Sobald von der Grob- zur Feinplanung übergegangen wird, informiert der federführende Kollege wiederum Schulleitung und  Kollegium und ordnet den nunmehr feststehenden Gruppen die entsprechenden Lehrer/innen zu, die sich auf freiwilliger Basis beteiligen. Das Sekretariat der Schule ist eng in die Planungen einzubeziehen.



4.3 Konkrete Vorgaben mit Auswirkungen auf die Durchführung zu einem bestimmten Termin

4.4 Aufgaben des Organisators im Einzelnen 

(Gesamt-Überblick als Hinweis für interessierte Lehrkräfte; auch als Team-Aufgabe denkbar)

 

5. Der Betriebserkundungstag selbst

Abgesehen von immer möglichen Krankheitsfällen wird der Betriebserkundungstag wie geplant verlaufen. Man sollte im Vorfeld evtl. eine Vertretungs - Absprache im Kollegium treffen. Verantwortlich für die Gruppe ist an diesem Morgen allein die mit der Leitung betraute Lehrkraft, die vor Ort für ein adäquates Auftreten ihrer Schüler zu sorgen hat. Der gesamte Schulmorgen wird ausschließlich für die Betriebserkundung genutzt. Anderer Unterricht findet nicht statt, selbst wenn noch Zeit dafür zur Verfügung stände. Die Schüler/innen sollen sich ausschließlich mit der Betriebserkundung und den damit verbundenen Eindrücken befassen. Während des Aufenthaltes versuchen die Schüler/innen, möglichst viele Informationen zu erhalten, sei es anhand vorüberlegter Fragen (Fragenkatalog?) oder aufgrund spontaner Beobachtungen, die es zu hinterfragen gilt. Wenn möglich, sollten sich die Schüler/innen Notizen machen, vor allem während des Abschlussgesprächs. Viele Betriebe versorgen ihrerseits die Gruppen mit umfangreichem Informationsmaterial. All diese schriftlich fixierten Informationen können wertvolle Gedächtnisstützen für die Auswertung des Betriebserkundungstages im anschließenden Unterricht sein.



6. Erfahrungen aus der Durchführung von bisher fünf Betriebserkundungstagen an der Hauptschule Freudenberg

Seit 1996 gehört diese Maßnahme zum Schulprogramm. Generell lässt sich sagen, dass unser Kalkül in Bezug auf das Verhalten der Schüler/innen in den Betrieben voll aufgegangen ist. Da die Schüler sich in einem Betrieb bzw. einer Branche ihrer Wahl umschauen dürfen, bringen sie ein hohes Eigeninteresse mit. Hinzu kommt die Überschaubarkeit der Gruppe. So ergeben sich bei der Einführung, während des Rundganges oder/und in der Abschlussbesprechung immer wieder Gespräche, die den Jugendlichen wichtige Aufschlüsse in Bezug auf den jeweiligen Beruf geben können. Besonders zu betonen ist die generell sehr große Aufgeschlossenheit der Firmen gegenüber dem Anliegen der Schule. Oft stehen der Gruppe sogar mehrere qualifizierte Firmenangehörige zur Verfügung. Zumeist sind es die Ausbildungsmeister, bisweilen der Firmenchef selbst in jedem Falle jedoch hoch motivierte Mitarbeiter, die die Fragen unserer Schüler ernst nehmen und ihrerseits versuchen, mit den Jugendlichen und den betreuenden Lehrern ins Gespräch zu kommen. Mehrfach ergaben sich während der letzten Jahre Gelegenheiten, mit den Auszubildenden der Betriebe zu sprechen. Immer jedoch spielte das Thema "Berufsausbildung" eine zentrale Rolle in den Gesprächen. Gerade an diesem Thema ließen die Firmen ein hohes Interesse erkennen.

Bedingt durch das oben angesprochene ordentliche Verhalten unserer Jugendlichen liefen die Erkundungen in angenehmer Atmosphäre ab und führten nach Ansicht aller bisher eingesetzten Kolleginnen und Kollegen durchweg zu einem Lernzuwachs. Die Jugendlichen selbst sprechen sich jeweils dafür aus, auch ihrem Nachfolge-Jahrgang eine solche Betriebserkundung zu ermöglichen. Im Anschluss an den Betriebserkundungstag kommt es im Unterricht sehr häufig zu Äußerungen, in denen Erkenntnisse, Erfahrungen, Denkansätze und auch Denk- bzw. Verhaltensänderungen deutlich werden. Die Einstellung nicht weniger Jugendlicher zum Thema "Praktisches Arbeiten/ Betrieb / Ausbildung" wird durch diesen einen Vormittag nachhaltig geprägt und nicht selten positiv verändert.
Doch auch die "andere Seite" kann von diesem Vorhaben profitieren; erleben doch die Betriebsangehörigen Jugendliche
 und deren Lehrer/innen einmal jenseits mancher Vorurteile als positive Erscheinungen in ihrem Betrieb. Dieser Aspekt sollte gesellschaftspolitisch nicht unterschätzt werden. Die Motivation der beteiligten Kolleginnen und Kollegen darf als gut bezeichnet werden. Dies wird unter anderem daran deutlich, dass sich jeweils wesentlich mehr Lehrkräfte als Gruppenbegleiter melden als tatsächlich benötigt werden. Dies beruht vielleicht auch darauf, dass nicht nur Schüler/innen, sondern auch Lehrer/innen gerne einmal dem Alltagstrott der Schule entgehen und grundlegend andere wertvolle Erfahrungen sammeln möchten.

Manchem mögen diese recht bruchstückhaft geschilderten Erfahrungen zu positiv erscheinen. Sie sind jedoch tatsächlich das Ergebnis von fünf Betriebserkundungstagen, an denen bis heute insgesamt 338 Schüler beteiligt waren. Diese Schüler wurden in insgesamt 32 Gruppen von unseren Lehrkräften betreut und 14mal waren unsere Schüler an diesem Tag auch als Tagespraktikanten im Einsatz. (Anmerkung siehe unten). Insgesamt halfen uns 46mal Firmen aus dem Einzugsbereich Freudenberg und Siegen dabei, unsere Schüler entsprechend ihrer persönlichen Wünsche zu bedienen. Einige Firmen beteiligen sich seit vier Jahren ununterbrochen an unserem Vorhaben. Die unten angefügte Tabelle bereitet das Zahlenmaterial genauer auf

Das Tagespraktikum ist unseren Schülern insgesamt dreimal angeboten worden. Es wurde von denen genutzt, die in keiner der nach der Schülerbefragung gebildeten Gruppen unterzubringen waren. Mittlerweile führen wir es nicht mehr durch, weil der dafür notwendige Aufwand einfach zu groß ist. Man muss ja pro einzelnen Schüler die gleichen Absprachen in Bezug auf den gesamten Tag treffen wie für eine ganze Gruppe. Der Aufwand steht auch nicht im rechten Verhältnis zum Erfolg, da unsere Schüler immer "zwar ein wenig mitarbeiten durften" (Schüler-Zitat), jedoch grundlegende Erkenntnisse über die jeweiligen Betriebe in dieser Form nicht vermittelt werden. Das praktische Arbeiten bleibt nunmehr dem Praktikum im 9. Schuljahr vorbehalten.



7. Tabelle: Übersicht über die Betriebserkundungstage seit 1996:

  1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Schüler/innen 64 69 77 55 73 82 75 85 78 101 91 82 66
Firmen 8 13 13 5 7 9 10 9 9 9 9 11 12
Tagespraktikanten 1 7 6 - - - - - - - - - -
Gruppen/Lehrer 7 6 7 5 7 7 10 9 9 9 9 11 12



 

Textstelle Schulprogramm