MENSCH ACHTE DEN MENSCHEN !

Schüler der Klassen 9 besuchten mit Schulleiter H. Kaufmann und ihren Klassenlehrern S. Kötting, L. Zöller und R. Sewelies-Mester die Gedenkstätte Hadamar.

"So habe ich mir das nicht vorgestellt!" So äußerten sich einige der über 60 Schülerinnen und Schüler der Hauptschule Freudenberg, die in zwei Gruppen durch die NS-Euthanasie-Gedenkstätte Hadamar geführt wurden, als sie schließlich die Treppe hinunter in die Kellerräume gingen, in der sich unter anderem die als Duschraum getarnte Gaskammer befand. Ein nackter Raum, gelbe Fliesen ehemals ohne ein Fenster mit schweren Eisentüren, die ein Entweichen des tödlichen Gases unmöglich machten. Die Schüler wissen, dass in diesem Raum über 10.000 Menschen einen qualvollen, minutenlangen Todeskampf führten. Herr Luka, ein zur Führung durch die Gedenkstätte freigestellter Pädagoge, erklärt den stillen, blassen Schülern die Tötungsmaschinerie. Eigentlich ist das ein gewöhnlicher Raum, aber das Wissen, dass dieser Raum eine von 6 Gasmordanstalten war, in der die Nationalsozialisten insgesamt 70.000 Menschen töteten, das macht Schüler wie Lehrer betroffen. Etwa 50 bis 60 Menschen wurden jeweils in den Raum gezwängt, bevor die Türen verschlossen und das Gas in den Raum eingelassen wurde. Diese Szenen wiederholten sich in der Zeit von Januar bis August 1941 in einer Regelmäßigkeit, dass die Mörder es schafften, in acht Monaten 10.072 Menschen zu töten. Die Schergen feierten sogar den 10.000sten Toten als nationalsozialistische Sollerfüllung. Ein Mordkalender in der Ausstellung gibt einen Überblick über die Anzahl und Herkunft der mit grauen Bussen durchgeführten "Transporten", die nur durch Wochenende und Feiertage unterbrochen wurden.

Hadamar steht heute als Begriff für den Mord an als "lebensunwerten", "unproduktiven" und "unnützen" abgewerteten Behinderten. Die Nationalsozialisten machten in einer Aktion, aus der Landesheil- und Pflegeanstalt eine Tötungsanstalt, in der der Wahn der "Rassenhygiene" in mörderischer Weise durchgesetzt wurde. In ihrer Geheimsprache hieß die ganze Aktion "T4", mit der "unheilbar Kranken bei kritischer Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann". Insgesamt 200.000 Menschen fielen den perverser  Weise "Euthanasie" (sanfter Tod) genannten Verbrechen in Gaskammern, durch Gift oder Verhungern zum Opfer.

Alles andere als ein sanfter Tod erwartete die Opfer in der "Gaskammer". Nachdem die Opfer getötet waren, wurden einigen von ihnen der Schädel aufgebrochen und das Gehirn zu wissenschaftlichen Zwecken entnommen und Universitäten zur Forschung zugeschickt. Ein steinerner Seziertisch komplettiert die Mordwerkstatt und lässt das eben abgeklungene Schaudern erneut entstehen. Der weitere Weg führt durch den Keller zum Krematorium, an das ein großes Foto, das den Verbrennungsöfen enttäuschend ähnlich sieht, erinnert. Tag und Nacht mussten zwei Verbrennungsöfen in Betrieb gehalten werden, um die anfallenden Leichenberge zu verbrennen. Rauch und Rußwolken lagen ein halbes Jahr lang von Januar bis August 1941 über Hadamar. "Und dann soll keiner da unten gewusst haben, was hier passiert ist?"  Als der öffentliche Protest durch den Münsteraner Bischof Graf von Galen am 3. August 1941 kam, stellten die Nationalsozialisten die Gasmorde ein.

Jedoch hatte das Morden in Hadamar noch kein Ende. In der zweiten Phase der "Euthanasie" brachten die Nazis in Hadamar von 1942 bis zum Ende des Krieges noch weitere 5.000 Behinderte, Halbjuden, kranke Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, Verwundete und zeitweise verwirrte Menschen durch Gift, Medikamente und Nahrungsentzug um. Diese Menschen wurden in Massengräbern auf dem Friedhof der Gedenkstätte beigesetzt. Ein Mahnmal mit der Aufschrift "MENSCH ACHTE DEN MENSCHEN" erinnert nicht nur an die Morde der Nationalsozialisten, sondern aktualisiert auch das Thema "Euthanasie".

 

 

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